Contax TVS – Die edle Point-and-Shoot mit Zeiss-Zoom
Im Jahr 1994 brachte Kyocera die Contax TVS auf den Markt. Wie bei den beiden Vorgängermodellen T (1984) und T2 (1991) wurde das Gehäuse aus Titan gefertigt.
Anstelle der Prime-Linsen mit Festbrennweiten erhielt die Contax TVS das Zoomobjektiv Vario Sonnar 3.5-6.5 / 28-58 mm von Carl Zeiss.
Diese edle Point-and-Shoot-Kamera macht bereits beim ersten Kontakt einen wertigen Eindruck, kombiniert mit einem schlichten Design. Sie wiegt ohne Batterie 375 g.
Das Vario Sonnar Zoomobjektiv
Der wichtigste Unterschied zur bereits oben erwähnten Contax T2 ist wohl das Zoomobjektiv Vario Sonnar von Carl Zeiss. Der Brennweitenbereich von 28 mm bis 58 mm wurde wohl von einem Teil der Kundschaft geschätzt, resultierte jedoch in einer deutlichen Reduktion der Lichtstärke. Bei der weitesten Brennweite von 28 mm scheint mir das noch unproblematisch. Wird ein Motiv jedoch mit der vollen Brennweite von 58 mm herangzoomt, könnte das in kritischen Lichtsituationen schon einschränkend wirken.
Die Brennweite wird mit dem seitlich am Objektiv angebrachten Hebel verstellt. Dieser ist leicht zugänglich und ist trotz der kompakten Bauweise der Kamera in unterschiedlichsten Situationen gut zu bedienen. Über das Gewinde vorne am Objektiv mit einem Durchmesser von 30.5 lassen sich diverse Filter, ein Objektivdeckel oder eine Sonnenblende befestigen. Details zum angebotenen Zubehör werden in der Broschüre Das Contax System auf Seite 32 vorgestellt.
Stromversorgung
Bei der Contax TVS dient der Hebel für die Wahl der Brennweite gleichzeitig als Ein- und Aus-Schalter. Die Kamera wird mit einer 3-Volt-Lithiumbatterie vom Typ CR123A betrieben. Sie versorgt die Belichtungsautomatik, den Autofokus, den automatischen Filmtransport und den eingebauten Blitz mit Strom. Bei niedrigem Ladungsstand der Batterie erscheint im Display oben links auf der Kamera ein Warnsymbol. Zwar sind dann noch weitere Aufnahmen möglich, doch sollte möglichst bald die Batterie gewechselt werden.
Belichtungsautomatik und Aufnahmemodi
Für die Belichtung stehen bei der Contax TVS zwei Modi zur Verfügung. In der Programmautomatik wird von der Kamera eine geeignete Kombination von Blende und Verschlusszeit selbst bestimmt. In der Zeitautomatik dagegen kann die bevorzugte Blende gewählt werden, während die Kamera automatisch die dazu passende Verschlusszeit bestimmt. Mit der Programmautomatik sind Verschlusszeiten von 16 Sekunden bis zu 1/700 s möglich. Wird mit der Zeitautomatik fotografiert beträgt die kürzeste Verschlusszeit je nach eingestellter Blende 1/500 s bis 1/700 s. Sobald die berechnete Verschlusszeit länger als 16 Sekunden ist, schaltet die Contax TVS automatisch auf Langzeitbelichtung (B) um.
Obwohl die Belichtungsmessung automatisch erfolgt, kann über die Belichtungskorrektur die von der Kamera ermittelte Belichtung bei schwierigen Lichtverhältnissen gezielt heller oder dunkler gestellt werden. Diese Korrektur bleibt auch nach dem Ausschalten der Kamera erhalten! Die Empfindlichkeit des eingelegten Films wird über den auf der Patrone angebrachten DX-Code automatisch erkannt. Ist kein Code vorhanden, so wird eine Filmempfindlichkeit von ISO 100 eingestellt.
Autofokus und Scharfstellung
Neben der Belichtungsautomatik dürfte fürs Zielpublikum der Contax TVS auch der integrierte Autofokus ein Kaufargument sein. Wie bei der Belichtung kann jedoch auch beim Fokussieren zu einem gewissen Grad noch selber Einfluss auf das Setzen des gewünschten Schärfepunktes genommen werden. Mit dem Fokussierrad rechts oben auf der Kamera kann vom Automatikmodus AF auf manuelle Scharfstellung umgestellt werden. Durch Drehen des Rades wird dann manuell von 0.5 Meter bis unendlich fokussiert.
Stimmt der Fokus, dann erscheint in beiden Modi im Sucher am unteren Rand ein Punkt. Solange die Schärfe im manuellen Modus nicht stimmt, erscheint unten rechts oder links im Sucher ein Pfeil, der anzeigt, in welche Richtung das Einstellrad zur Korrektur gedreht werden muss. Leuchten beide Pfeile gleichzeitig, dann ist es für die Kamera allgemein unmöglich, die Entfernung zu bestimmen. Dies kann bei schlechten Lichtverhältnissen oder kontrastarmen Motiven geschehen.
Der eingebaute Blitz
Die Contax TVS verfügt über einen integrierten Blitz, der bei Bedarf automatisch zugeschaltet werden kann. Zusätzlich stehen ein Aufhellblitz, eine Funktion zur Reduzierung roter Augen und die Möglichkeit, den Blitz ganz auszuschalten, zur Verfügung. Umgeschaltet wird mit der Blitztaste oben links auf dem Kameragehäuse. Auf dem Displa links dameben wird der aktuelle Modus mit einem Symbol angezeigt. Zu beachten ist, dass der Blitzmodus beim Einschalten der Kamera immer wieder auf Auto gestellt wird. Wer grundsätzlich ohne Blitz arbeiten möchte, muss deshalb immer wieder bewusst in den «Off»-Modus schalten.
Die Blitzleistung wird automatisch an die Aufnahmebedingungen angepasst. Die gewählte Brennweite und die Filmemfpindlichkeit beeinflussen die Reichweite.
Film einlegen und Transport
Fotografiert wird mit der Contax TVS auf 135er Film im Kleinbildformat. Bei geöffneter Kamerarückwand wird die Filmpatrone in die rechte Kammer eingelegt und anschliessend die Lasche des Film bis zur orangen Markierung auf der linken Seite gezogen. Sobald die Rückwand wieder geschlossen ist, transportiert die Contax TVS den Filmstreifen an die erste Aufnahmeposition. Sollte im kleinen Display rechts oben auf der Kamera immer noch «00» angezeigt werden, ist dabei etwas schief gelaufen und der Film muss bei geöffneter Rückwand nochmals exakt ausgerichtet werden.
Die Kamera transportiert den Filmstreifen nach jeder Auslösung automatisch weiter, bis alle Aufnahmen belichtet sind. Dann startet die ohne weiteres Zutun die Rückspulung. Dabei wird der Film vollständig in die Patrone gezogen. Möchte man den Film frühzeitig zurück spulen, kann dies durch Drücken des feinen, mit «R» markierten Rewindknopfs auf dem Kameraboden ausgelöst werden.
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass der Film nicht komplett in die Filmpatrone gezogen wird. Die Grundeinstellung dementsprechend zu ändern ist leider nicht ganz trivial. Deshalb gehe ich im Rahmen dieses Beitrages nicht auf die Details ein. Das Vorgehen ist in der Kameraanleitung nicht dokumentiert, jedoch im CONTAX T VS – Repair manual auf den Seiten C8 und C9 beschrieben.
Weitere Möglichkeiten beim Fotografieren
Liegt das Hauptmotiv nicht in der Bildmitte, können Schärfe und Belichtung gespeichert werden. Dazu wird das gewünschte Motiv mittig im Sucher ausgerichtet und der Auslöser halb gedrückt. Die Kamera speichert dabei die ermittelte Entfernung und die Belichtungswerte. Gleichzeitig passt sich der Sucherrahmen an die eingestellte Brennweite und die Fokussierung an. Anschliessend wird der Bildausschnitt verändert und der Auslöser vollständig gedrückt. So lässt sich das Motiv gezielt ausserhalb der Bildmitte platzieren, ohne dass die Kamera die Schärfe und Belichtung neu bestimmt.
Für Aufnahmen mit der Kamera auf einem Stativ oder für Fotos, auf denen man selbst erscheinen möchte, steht ein Selbstauslöser zur Verfügung. Um ihn zu nutzen wird der entsprechende Schalter oben auf der Kamera nach vorne auf «ON» geschoben und anschliessend der Auslöser betätigt. Nach einer Verzögerung von zehn Sekunden löst die Kamera automatisch aus.
Die Contax TVS verfügt über einen Panoramamodus. Der wird mit dem kleinen Schieber oberhalb der Kamerarückwand aktiviert. Dabei bewegen sich im Innern der Kamera zwei Lamellen von oben und unten in den Lichtweg. Dadurch wird nur ein schmaler, horizontaler Ausschnitt des Kleinbildformats belichtet. Es handelt sich also nicht um ein echtes Panoramaformat, sondern um eine Maskierung des Kleinbildformats. Diese Möglichkeit scheint mir nicht besonders sinnvoll, denn ein ähnlicher Bildausschnitt lässt sich auch nachträglich beim Scannen oder Vergrössern eines normalen Negativs festlegen. Wer den Panoramamodus nutzt und den Film später bei einem Fotodienstleister entwickeln lässt, sollte zudem beachten, dass die schmalen Bildformate bei der automatischen Verarbeitung zu Problemen führen können.
Mein Fazit nach dem ersten Film
Die Contax TVS ist eine hochwertige, wenn auch nicht ganz günstige Kompaktkamera, die gut in der Hand liegt und schnell aufnahmebereit ist. Die Bildqualität des Vario Sonnar Zoomobjektivs von Carl Zeiss überzeugt mich. Ein direkter Vergleich mit der Festbrennweite der Contax T2 fehlt mir allerdings.
Die Grundfunktionen lassen sich intuitiv bedienen. Etwas weniger gelungen finde ich den schwer zu fassenden Blendenring. Dafür ist die Kombination aus Zoomhebel und Ein-/Ausschalter der Kamera praktisch gelöst. Den Panoramamodus sehe ich eher als Spielerei. Gewöhnungsbedürftig ist für mich auch, dass sich die Blitzeinstellung nach dem Einschalten jeweils wieder auf Automatik stellt. Wer die Blitzanzeige im Sucher im Blick behält, dürfte sich jedoch damit arrangieren können.
Bei Motiven mit sehr hellen und sehr dunklen Bildbereichen waren die Belichtungen beim ersten Film nicht immer optimal. Möglicherweise lässt sich dies mit etwas mehr Erfahrung im Umgang mit der Kamera besser einschätzen und berücksichtigen.
Insgesamt ist die Contax TVS eine tolle analoge Kompaktkamera, die für eine Point-and-Shoot-Kamera erstaunlich viele Funktionen bietet und mit ihrem Zeiss-Zoomobjektiv eine interessante Alternative zu Modellen mit Festbrennweite darstellt.









