Pentax auto 110 – die Mini-SLR für Pocketfilm

Einleitung

Endlich kann ich die «Pentax auto 110» nicht nur technisch vorstellen, sondern auch von eigenen Erfahrungen berichten. Schon längere Zeit hat mich diese analoge Kamera fasziniert. Und jetzt konnte ich endlich eine günstig erwerben, sogar mit vier Wechselobjektiven, einem Blitzgerät, einer Nahlinse und der originalen Kameratasche.

Doch was fasziniert an der «Pentax auto 110»? Es handelt sich um die wohl kleinste Spiegelreflexkamera mit Pentaprisma und Rückschwingspiegel. Und das bei einer Grösse von lediglich 10,4 × 6,1 × 5,5 cm (B × H × T) mit aufgesetztem Standardobjektiv von 24 mm Brennweite. Diese Miniaturisierung ist natürlich auch mit Nachteilen verbunden. Statt 35-mm-Film werden kompakte und leicht zu handhabende 110-Patronen verwendet. Daraus resultiert ein Bildformat von gerade einmal 13 × 17 mm. Wunder in Sachen Auflösung und Filmkorn können da nicht erwartet werden.

Die PENTAX auto 110 zwischen Daumen und Zeigefinter in der Hand gehalten.

Pentax stellte die Kamera 1978 vor. Ab 1982 war die Variante «Pentax auto 110 super» im Angebot. Die beiden Modelle unterscheiden sich unter anderem bei den Verschlusszeiten und der Blitzsynchronzeit. Die «Pentax auto 110 super» verfügt zudem über einen Selbstauslöser und eine Gegenlichttaste.

Technische Merkmale

Wie bei den klassischen Spiegelreflexkameras erfolgt die Motivwahl und das Scharfstellen über den Prismensucher durch das Aufnahmeobjektiv. Dabei zeigt das Sucherbild rund 87 Prozent des aufgenommenen Bildes. Die Mattscheibe mit zentralem Schnittbildindikator erleichtert das Fokussieren.

Bei der Belichtung arbeitet die Pentax auto 110 vollständig automatisch. Das Licht wird mittenbetont mit Hilfe von Silizium-Fotodioden gemessen. Je nach Lichtverhältnissen stehen Verschlusszeiten von 1 Sekunde bis 1/750 Sekunde zur Verfügung. Ist genug Licht vorhanden, leuchtet im Sucher rechts unten eine grüne LED. Sobald sich eine Verschlusszeit von 1/30 Sekunde oder länger ergibt, leuchtet zur Warnung eine gelbe LED. Dann sollte die Kamera auf einem Stativ genutzt oder der Blitz auf der Kamera montiert werden. Die Automatik arbeitet zwischen den Kombinationen von 1/750 Sekunde bei Blende 13,5 bis zu 1 Sekunde bei Blende 2,8. Eine manuelle Einstellung von Belichtungszeit oder Blende ist nicht vorgesehen.

Mit zwei Knopfzellen mit je 1,5 V wird die elektronische Steuerung der «Pentax auto 110» mit Strom versorgt. Leuchten die LEDs beim leichten Antippen des Auslösers nicht mehr auf, ist die Spannung zu gering und die Batterien müssen gewechselt werden.

Beim Einlegen eines Films wird die Filmempfindlichkeit mit Hilfe eines Tasters in der Filmkammer von der Filmkassette gelesen. Dabei gibt es nur zwei Möglichkeiten: niedrigempfindlicher Film (ISO 64–100) oder hochempfindlicher Film (ISO 400). Daraus ergeben sich in der heutigen Zeit einige Herausforderungen, auf welche weiter unten im Kapitel «110 Film und seine Tücken» im Detail eingegangen wird.

Die Wechselobjektive zur «PENTAX auto 110»

Zum Zeitpunkt der Einführung der «Pentax auto 110» wurden neben dem Standardobjektiv noch das Weitwinkelobjektiv PENTAX-110 18 mm f/2.8 und das Teleobjektiv PENTAX-110 50 mm f/2.8 angeboten. Später kamen noch ein Fixfokusobjektiv mit einer Brennweite von 18 mm und ein Zoomobjektiv mit 20–40 mm Brennweite dazu.

Das Wechseln der Objektive ist bei der «PENTAX auto 110» unkompliziert. Zum Herausnehmen wird der Entriegelungsknopf nach oben gedrückt und gleichzeitig das Objektiv um etwa 90° im Gegenuhrzeigersinn gedreht, damit es abgenommern werden kann. Beim Einsetzen muss der rote Index der Distanzskala am Objektiv mit dem roten Punkt am Kameragehäuse übereinstimmen. Das Objektiv wird in dieser Position eingesetzt und anschliessend bis zum Anschlag nach rechts gedreht. Dabei rastet es hörbar in der Bajonettfassung ein.

PENTAX auto 110 mit den im Text erwähnten Objektiven.

Zum Zeitpunkt der Einführung der «Pentax auto 110» wurden neben dem Standardobjektiv noch das Weitwinkelobjektiv PENTAX-110 18 mm f/2.8 und das Teleobjektiv PENTAX-110 50 mm f/2.8 angeboten. Später kamen noch ein Fixfokusobjektiv mit einer Brennweite von 18 mm und ein Zoomobjektiv mit 20–40 mm Brennweite dazu.

Das Wechseln der Objektive ist bei der «PENTAX auto 110» unkompliziert. Zum Herausnehmen wird der Entriegelungsknopf nach oben gedrückt und gleichzeitig das Objektiv um etwa 90° im Gegenuhrzeigersinn gedreht, damit es abgenommern werden kann. Beim Einsetzen muss der rote Index der Distanzskala am Objektiv mit dem roten Punkt am Kameragehäuse übereinstimmen. Das Objektiv wird in dieser Position eingesetzt und anschliessend bis zum Anschlag nach rechts gedreht. Dabei rastet es hörbar in der Bajonettfassung ein.

Markierungen für den Objektivwechsel an Gehäuse und Objektiv.

Als Standardobjektiv wurde die Kamera mit dem PENTAX-110 24 mm f/2.8 ausgeliefert. Es verfügt über einen Bildwinkel von 47 Grad und lässt sich bis auf 35 cm fokussieren. Über den proprietären 110er-Bajonettanschluss können verschiedene Objektive verwendet werden.

Verfügbares Zubehör

Neben den Wechselobjektiven standen zwei Blitzgeräte, ein Winder, Nahaufnahmezubehör, Filter und Gegenlichtblenden als Zubehör zur Verfügung.
Darunter waren zwei Elektronenblitze: der kompakte AF100P mit einer Reichweite bis 3,7 m und der leistungsfähigere AF130P mit einer Reichweite bis 4,6 m. Beide arbeiteten vollautomatisch mit der Kamera und benötigten jeweils zwei Batterien, beim AF100P AAA-Batterien und beim AF130P AA-Batterien.

Den Winder für die «Pentax auto 110» erachte ich als nette Ergänzung, die für eine Kamera dieser Art jedoch nicht zwingend notwendig ist. Er arbeitet mit einer Geschwindigkeit von einem Bild pro Sekunde und transportiert einen frisch eingelegten Film bei der ersten Auslösung direkt zur Aufnahmeposition 1.

In die Filtergewinde der verschiedenen Objektive von 18 mm bis 50 mm lassen sich Nahlinsen sowie UV- und Skylight-Filter einschrauben. Auch passende Gegenlichtblenden waren erhältlich.

PENTAX auto 110 mit aufgesetztem Blitz.

Fotografieren mit der «Pentax auto 110»

Mit dem System für 110-Filmkassetten ist das Einlegen des Films ein Kinderspiel: Film aus der Verpackung nehmen, Rückwand öffnen, Kassette einlegen, Rückwand schliessen und schon ist die «Pentax auto 110» einsatzbereit. Mit etwa sieben Betätigungen des Schnellspannhebels sollte Aufnahme 1 im Sichtfenster der Rückwand erscheinen. Nach jeder Aufnahme wird der Film mit zwei Bewegungen des Schnellspannhebels zum nächsten Bild transportiert. Bildnummer und eingelegter Filmtyp sind dabei durch das Fenster in der Kamerarückwand sichtbar.

Die Pentax auto 110 mit geöffneter Rückwand und eingelegter Filmkassette

Aufgrund ihrer geringen Abmessungen ist die «Pentax auto 110» eine ideale Immer-dabei-Kamera. Sie verschwindet problemlos in der Hosentasche, und auch die Wechselobjektive lassen sich, mit Ausnahme des 70-mm-Teleobjektivs, leicht verstauen.

Wie weiter oben bereits erwähnt, ist die Bildqualität nicht berauschend. Das liegt vor allem am kleinen Negativformat und nicht an den Objektiven. Ich habe die «Pentax auto 110» bisher mit drei verschiedenen Filmen von Lomography getestet. Dabei hat der Schwarzweissfilm Orca 110 (ISO 100) für mich am besten abgeschnitten. Dies führe ich unter anderem auf die grössere Belichtungstoleranz von Schwarzweissmaterial im Allgemeinen zurück.

Bei den beiden Farbfilmen LomoChrome Color ’92 110 (ISO 400) und LomoChrome Metropolis 110 (ISO 100–400) schien mir dagegen viel Licht von Vorteil zu sein. In schattigen Szenen und bei Motiven mit gleichzeitig sehr hellen und schattigen Bereichen konnten mich die Filme weniger überzeugen. Die besten Farbbilder lieferte der LomoChrome Color ’92. Bei ihm hatte ich den Eindruck, dass er bei der Belichtung etwas mehr verzeiht. Die Patronen beider Farbfilme habe ich, wie im Kapitel «110er-Film und seine Tücken» beschrieben, so angepasst, dass die «Pentax auto 110» automatisch die passende Filmempfindlichkeit einstellt.

Die Einschränkungen und Kompromisse beim Fotografieren mit der «Pentax auto 110» sind jedoch nicht nur ein Nachteil, sondern gleichzeitig eine Herausforderung. Hat man diese winzige SLR-Kamera dabei, ist man gezwungen, anders zu schauen und zu fotografieren. Der Blick fällt wieder bewusster auf ganz andere Motive.

Was viele vom Fotografieren mit Kameras für Pocketfilm abhalten dürfte, ist sicher der Preis. Das Filmmaterial ist im Vergleich zu 135er-Film recht teuer. Und dies bei einem kleinen Filmformat mit viel Korn. Als Alternative gibt es jedoch Möglichkeiten, aus 135er- oder 120er-Film selber Pocketfilme zu schneiden. Geräte dazu können gekauft (z. B. bei Ausgeknipst oder mit einem 3D-Drucker selbst hergestellt werden.

Beispielbilder der drei verwendeten Filme finden sich am Schluss des Beitrags…

110er-Film und seine Tücken

Dieses Filmformat für die Pocketkameras wurde von Kodak 1972 zusammen mit den ersten Modellen der Kodak Pocket Instamatic (Modelle 20, 30, 40, 50 und 60) eingeführt. Ziel war es, das Einlegen des Films für Amateure zu vereinfachen. Im Jahre 1992 wurde die Produktion von 110-Film schliesslich von den letzten Herstellern eingestellt. 2012 brachte Lomography wieder neue Filme dieses Formats auf den Markt. Damit konnten auch die alten Pocketkameras wieder genutzt werden. An Nachschub fehlt es heute also nicht.

Kodak sah vor, dass die Filmempfindlichkeit bei 110-Kassetten über eine Kunststofflasche codiert werden konnte. Eine kurze Lasche stand für hochempfindliche, eine lange Lasche für niedrigempfindliche Filme. Nur wenige Kameras konnten diese Codierung mechanisch abtasten und die Belichtung somit automatisch anpassen. Die «Pentax auto 110» liest die Codierung über einen Taster in der Filmkammer aus. Bei den heutigen Filmen von Lomography wird jedoch nicht zwischen den beiden Laschenlängen unterschieden. Deshalb werden die Kassetten von der «PENTAX auto 110» grundsätzlich als niedrigempfindliche Filme erkannt. Bei ISO-400-Filmen lässt sich die Codierung relativ einfach anpassen, indem der untere Bereich der Lasche bis auf eine Höhe von 6,5 mm mit einem scharfen Messer entfernt wird. Infos dazu finden sich bei Chris’s Camera Pages.

Detailaufnahme einer 110er-Filmkassette mit angepasster Lasche für ISO 400

Pentax definierte für die «PENTAX auto 110» die Empfindlichkeiten ISO 80 und ISO 320. Das funktioniert bei den heutigen Filmen mit ISO 100 und ISO 400 recht gut. Filme mit ISO 200 passen jedoch zu keiner der beiden Einstellungen und werden deshalb je nach gewählter Codierung über- oder unterbelichtet.

Beispielbilder der drei Filme

B&W Orca 100

B&W Orca 100

B&W Orca 100

LomoChrome Metropolis ISO 100–400

LomoChrome Metropolis ISO 100–400

LomoChrome Metropolis ISO 100–400

LomoChrome Color ’92 ISO 400

LomoChrome Color ’92 ISO 400

LomoChrome Color ’92 ISO 400